Wechseljahrsbeschwerden (sog. "klimakterisches Syndrom")

Keine Behandlung des klimakterischen Syndroms ist effektvoller als die mit natürlichem Östrogen. (Mit natürlichem Östrogen sind die Östrogene gemeint, die der menschliche Eierstock bis zu den Wechseljahren produziert. In Tablettenform sind auch andere Östrogene verfügbar, beispielsweise in Antibabypillen. Die haben andere Wirkung und andere Risikoprofile.)

Ist eine Behandlung mit natürlichen Östrogenen mit Risiken verbunden? Wo ist der gesundheitliche Nutzen?

Eine Östrogenbehandlung hat vor allem schützende Wirkung. Dem gegenüber stehen überschaubare Risken.  Hier zunächst die Vorteile:

1. Ein rechtzeitig nach den Wechseljahren begonnener Ersatz des natürlichen Östrogens wirkt der Arterienverkalkung entgegen und senkt das Risiko, einen Herzinfarkt oder einen Gehirnschlag zu erleiden um 40%. Das ist sehr wichtig, weil wir hier von den mit Abstand häufigsten vorzeitigen Todesursachen sprechen. Der Hormonersatz entfaltet seine schützende Wirkung nur, wenn er früh genug begonnen wird. Früh heißt zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr, jedenfalls innerhalb von 10 Jahren nach Ausfall der eigenen Östrogenproduktion.   

2. Eine Hormon-Ersatzbehandlung senkt sehr effektiv das Risiko, an Osteoporose zu erkranken. Die Osteoporose beginnt nach den Wechseljahren, also in einem Alter von etwa 52 Jahren schleichend, ist schmerzhaft und führt nach Jahrzehnten dann zu Knochenbrüchen vor allem im Bereich der Wirbelsäule, der Oberschenkelhälse und der Arme.

3. Eine Hormonersatzbehandlung mindert das Risiko, an Dickdarmkrebs zu erkranken um 30 - 40 %. Dickdarmkrebs ist der zweithäufigste Krebs d. Menschen!

Als Risiko wird am häufigsten eine Steigerung des Brustkrebsrisikos genannt. Das ist der häufigste Krebs der Frau. Er betrifft 10 % aller Frauen. Das Erkrankungsrisiko unter Hormonbehandlung hängt entscheidend von der Art des Hormons ab. Eine Behandlung mit natürlichem Östrogen alleine (sog. Östrogen-Monotherapie) senkt das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken! Bei dieser Behandlungsform wird auf die Einnahme von Gestagen verzichtet. Das ist möglich, wenn die Gebärmutter entfernt ist. Ist die Gebärmutter noch vorhanden, benötigt diese immer zur Ergänzung der Östrogenwirkung auch Gestagen. Es macht nun einen großen Unterschied, ob man das körpereigene Gestagen einnimmt (Progesteron) oder ein synthetisches. Natürliches Progesteron führte in allen sehr hochwertigen Studien  entweder zu keiner Riskoerhöhung oder nur zu einer geringen. Nach Beendigung der Behandlung ist definitiv in keiner Studie noch ein erhöhtes Brustkrebs vorhanden. Bei synthetischen Gestagen ist das Risiko anders. Im Vergleich zu den Herz-Keislauferkrankungen ist die Brustkrebsproblematik einer Hormonbehandlung somit bedeutungsarm.

Durch die Hormonersatzbehandlung wird das Risiko für Eierstockkrebs minimal angehoben. Zwischen dem 50. und dem 65. Lebensjahr rechnet man statistisch mit 2 Erkrankungen pro 1000 Frauen. In der Gruppe mit Hormonersatzbehandlung ist es eine Frau mehr, also 3/1000 Frauen.

Das Risiko einer Thrombose kann bei gefährdeten Frauen völlig vermieden werden, wenn Östrogene nicht in Tablettenform über den Darm zugeführt werden sondern über die Haut (als Gel, Spray oder als Hautpflaster). Unsere Experten empfehlen deswegen die Gabe von natürlichem Östradiol über die Haut und nur die Gabe von natürlichem Gelbkörperhormon (Progesteron) in Form von Tabletten.
Eine orale Östrogentherapie in Tablettenform steigert das Risiko für die Thrombose-Entstehung bei Patientinnen mit entsprechender Veranlagung und kann auch eine Erhöhung des Blutdruckes auslösen.

Seit 2001 hat eine sonderbare Studie aus den USA (die WHI-Studie) Patientinnen und Ärzte erheblich verunsichert. Die Autoren der WHI-Studie haben im Jahre 2016 öffentlich ihr Bedauern über die Fehlinterpration ihrer Studiendaten geäußert! 

Im Juli 2017 hat die Nordamerikanische Menonpausengesellschaft (NAMS) den aktuellen Wissens-Stand in einem Positionspapier zusamengefasst. In der Gruppe der Patientinnen, die vor dem 60. Lebensjahr mit einem richtig durchgeführten Ersatz der nach den Wechseljahren weggefallenen Eierstockhormone beginnen, ist das Gesamtüberleben deutlich verlängert! Die Europäische und die deutsche Menopausengesellschaft haben sich diesem Positionspapier angeschlossen.

Das Positionspapier der internationalen Fachgesellschaften sagt, dass man nicht so niedrig wie möglich dosieren soll und dass es nicht empfehlenswert ist, so früh wie möglich alle Hormone wieder abzusetzen. Die Dosis soll individuell den Bedürfnissen der Frauen angepasst sein. Es wird auch nicht mehr als sinnvoll erachtet, die Hormonbehandlung mit dem 65. Lebensjahr routinemäßig abzusetzen.

Eine zusammenfassende und sehr präzise Empfehlung - gemeinsam fomuliert von mehreren Fachgesellschaften- die im Oktober 2012 publiziert wurde, händigen unsere Mitarbeiterinnen auf Wunsch gerne aus,ebenso eine Kurzfassung des genannten Positionspapiers.


Weitere Behandlungsformen in und nach den Wechseljahren:

Die Rolle von Östriol:
Es gibt ein wichtiges Östrogen, welches nicht an der Brust und an der Gebärmutter wirksam wird. Dieses Östrogen heißt „Östriol“.
Diese Substanz ist in der Lage bis ins hohe Alter die Elastizität des Beckenbodens zu erhalten, was für die Vermeidung einer "schwachen Blase" entscheidend ist. Mit Östriol gelingt es, Rückbildungserscheinungen der Scheide (Schrumpfen, Trockenheit, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr) sicher zu vermeiden. Die natürliche Vaginal-Bakterienflora bleibt erhalten. Ohne Hormonersatz wird die Scheide über kurz oder lang mit Darmbakterien besiedelt, was Entzündungsreaktionen hervorrufen kann und das Risiko für Harnwegsinfekt erhöht. Gleichzeitig wird auch die Schleimhaut von Harnröhre und Blase stabilisiert.
Es macht überhaupt keinen Sinn, nach den Wechseljahren auf Östriol zu verzichten. 1 - 2 Zäpfchen oder Tabletten pro Woche reichen aus (lebenslang).

Pflanzen-Östrogene sind nicht wirklich eine Alternative:
Nahrungsergänzungsmittel auf Basis von Soja und Rotklee werden auch als Heilmittel bei Wechseljahresbeschwerden propagiert. Solche Produkte sind allerdings weder hinsichtlich ihrer Wirksamkeit, noch in Bezug auf ihre Sicherheit ausreichend untersucht. Im Gegenteil, für die in Soja und Rotklee enthaltenen Isoflavone Genistein und Daidzein, die in ihrer Struktur den Östrogenen ähneln, gibt es - sowohl aus zellbiologischen Untersuchungen als auch aus Tierversuchen - sogar Hinweise, dass sie das Wachstum von Brustkrebszellen stimulieren. Mögliche "Nebenwirkungen" von Phytoöstrogenen sind vaginale Blutungen, Gewichtszunahme und Magen-Darm-Beschwerden. Deshalb ist die Einnahme von Phytoöstrogenen auch von einer hohen Drop-out-Rate und einer geringen Compliance-Rate gekennzeichnet.

Autor: Gyn-Depesche-Redaktion, Gesellschaft für medizinische Informationen mbH

Dr. med. A. Maucher